Neben der Bühne und der Kamera steht das Schreiben. Eine Auswahl an Texten, Stücken und Arbeiten, die zeigen, wie Sprache als eigenes Ausdrucksmittel genutzt wird.
Daten: Dezember 2026
Ort: Aemterlerbühne Mettemenstetten
Ein abendlicher Waldspaziergang der Familie Frankenstein wird für Mary zu Albtraum und Inspiration. Der Haselstrauch als «Grenzbaum», obskure Zuchtversuche von künstlichem Leben, ein Blitzeinschlag und Spannungen zu ihrem Freund Victor befeuern ihre Fantasie.
Sie will einen Moment allein sein.
Da beobachtet sie ein unheimliches Wesen am Flussufer und wird gewahr, dass ihr Freund etwas damit zu tun hat. Fiktion oder Wirklichkeit? Ihre Gedanken brennen mit ihr durch;
Victor wollte schon immer den Tod überwinden. Mary stellt ihn zur Rede und will hinter sein Geheimnis kommen. Ihm gelang eine Sensation! Doch die erschaffene Kreatur funktioniert nicht nach Plan, ihre Missgestalt löst Schrecken und Verderben aus. Verletzungen, Frustration und Ausgrenzung lassen sie für ihren Schöpfer und seine Familie zur tödlichen Bedrohung werden. Mary erkennt in der Kreatur jedoch ein fühlendes Geschöpf, das nach Anerkennung und Liebe dürstet.
Psychologische Spannung, Wissenschaftswahn, gewitzter Grusel-Spuk und berührende Menschlichkeit weisen den Klassiker noch heute als Evergreen aus! Eine atmosphärische Neuinterpretation des berühmten Stoffes, eingebettet in das autobiografische Umfeld der Autorin – intensiv und brandaktuell. Mary Shelley war achtzehn, als sie den Roman schrieb:
«Wie kommt eine junge Frau dazu, sich eine so schauerliche Handlung auszudenken und sie auszuarbeiten?» Die Antwort liegt im Sihlwald und wartet auf Ihre Entdeckung!
Mit Peter Zgraggen, Chantal Dubs, Florian Steiner, Eva Maropoulos, Flavio Dal Molin, Monica Marquardt, Nico Jacomet, Corina Good, Ruedi Keller, Alicia Bircher, Lorenz Gasser, Mirja Jaquiery. Kinder: Joshua und Marlon Steiner, Evine und Loan Jaquiery.
Daten: Dezember 2026
Ort: Aemterlerbühne Mettemenstetten
«Elvis», ein alternder Rockmusiker, will gleich zwei wohl- habende verheiratete Frauen verführen, um zu ihrem Geld zu kommen und so seine finanziellen Sorgen loszuwerden. «Kein Problem», denkt er, denn er hält sich nach wie vor
für unwiderstehlich. Sein Problem: Er überschätzt sich und unterschätzt die beiden Frauen. Als diese Freundinnen den bis auf die Namen gleichlautenden Liebesbrief vom selben Absender erhalten haben, beginnen sie, ihrerseits, Pläne zu schmieden. In der Folge wird der Möchtegern-Verführer nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt. Drei Mal legen die Frauen den Köder aus, und drei Mal tappt «Elvis» in die Falle. An sein Ziel gelangt er nie, wohl aber sonst in höchst unangenehme Situationen. Ein unfreiwilliges Bad im Dorfbach ist noch das Gelindeste, das ihm zustösst.
«Elvis» ist eine zeitgemässe Variante von John Falstaff, der Hauptfigur in Shakespeares Komödie «Die lustigen Weiber von Windsor» aus dem Jahr 1597, und «Di luschtige Wiiber» ist eine Bearbeitung ebendesselben Stücks. Regisseur Peter Steiner hat es in der heutigen Zeit angesiedelt und nach «Mättmi» verlegt.
Angereichert wird die Haupthandlung durch zahlreiche Nebenstränge und markante Figuren. In der spukhaften, an den Sommernachtstraum erinnernden Schluss-Szene kommt es zur Klärung und zum Happy End – umso mehr, als mitten in diesem Verwirrspiel auch eine echte Liebesgeschichte ihre Erfüllung findet. Mit dabei: Der geläuterte Falstaff / «Elvis».
Wie ein roter Faden zieht sich Live-Musik durch das Stück. «Elvis» singt bekannte Rocksongs – vor allem von seinem Idol – und begleitet sich auf dem Klavier. Fabio Rieser, der musikalische Leiter, komponierte weitere Lieder und musikalische Zwischenspiele.
Daten: 03. Juli – 27. Juli 2025
Ort: turbine theater, Sihlwald
Szenische Episoden zu 500 Jahren reformierte Kirche Neftenbach.
Premiere am 28. August 2024.
Zum 500. Jubiläum der Kirche Neftenbach
Autor: Peter Niklaus Steiner / Regie: Thomas Ganz / Produktion: Riccardo Steiner c/o Ref. Kirche und Kulturkommission Neftenbach
Drei Episoden aus der reformierten Kirchengeschichte von Neftenbach. Von der Reformation im 16. Jahrhundert, über den Katechismus des Ancien Regime im 18. Jahrhundert, bis zur Verkündung der Religionsfreiheit in der Mitte des 19. Jahrhunderts während der Aufklärung. Anfänglich lehnte sich der reformatorische Glaube gegen die katholische Kirche auf, wurde im Ancien Regime selbst zur Staatsgewalt, um sich nach der französischen Revolution vom Staat zu trennen und seine Bestimmung in einer inneren, geistigen Haltung zu suchen. In der Dynamik von Erneuern, Bewahren und Auflösen handeln vier unterschiedliche Pfarrer von Neftenbach nach ihren Glaubenssätzen und verleihen der Kirchgemeinde ihre eigene, charakteristische Prägung.
Eine heutige Grossmutter, ihre Tochter und ihre Enkelin führen als Moderations-Trio durch den Abend; sie schlüpfen immer wieder in verschiedene Rollen, um das Geschehen mitzuerleben, zu verstehen und zu kommentieren.
Die erste Episode beginnt mit der Einführung der Reformation durch Zwingli 1523 unter Mitwirkung des Neftenbacher Pfarrers Jakob Aeberli beim 1. Zürcher Religionsdisput am 29.1.1523. Sie schildert weiter die Radikalisierungen der reformatorischen Bewegung durch Aeberli’s hitzigen Amtskollegen Adam Schmid und endet mit dem Prozess gegen den Aufwiegler Heini Süsstrunk aus Hünikon, einem Bauernopfer, der sich wegen Aufruhr gegen das Kloster Töss verantworten musste und im Februar 1526 geköpft wurde.
Die zweite Episode spielt im Ancien Regime und zeigt die Kirche als Sittenwächterin des Stadtstaates Zürich. Die reformatorischen Erneuerungen werden zur Staatsdoktrin erhoben und sollen im Volk bewahrt und gefestigt werden. Die Kirche führt die Schule ein, Gebete und Bibeltexte müssen auswendig gelernt werden. Der paternalistische Pfarrer Hess verliest von der Kanzel staatliche Mandate und führt beflissen Hausvisitationen durch
Die dritte Episode spielt nach der Verkündung der Religionsfreiheit im neuen Bundesstaat von 1848, in dem sich Kirche und Staat zunehmend trennten. Religion wird zur Privatsache und Pfarrer Dr. Kübler nimmt sich nebst der Seelsorge auch der gesellschaftlichen Probleme der Bevölkerung an, wie der Reblaus-Plage und dem Kampf für humane Arbeitsbedingungen im Zuge der Industrialisierung. Dass er auch Dichter war und sein persönliches Schicksal von der Diskrepanz zwischen seinem sozialpolitischen Engagement und der Erfüllung seiner künstlerischen Träume stark geprägt war, öffnet die Türe für poetische Fantasien, die Raum und Zeit durchdringen und ins Heute reichen.
Eine Geschichte aus dem Söiliamt. Aufgeführt am Originalschauplatz, dem Gasthaus „Zum weissen Rössli“ in Mettmenstetten.
Premiere: Samstag: 19. November 2022
Eine Geschichte aus dem Soiliamt
Aufgeführt am Originalschauplatz, dem Gasthaus «Zum Weissen Rössli»
Für die Ämtlerbühne geschrieben von Peter Niklaus Steiner
Am Ende des 18. Jahrhunderts zirkulierte im Soiliamt ein revolutionäres Schreiben, das sogenannte «Memorial» aus Stäfa, in dem nach französischem Vorbild die Gleichheit von Stadt und Land proklamiert wurde. Dies ruft den Zürcher Ratsherrn von Meiss auf den Plan, der die revolutionären «Patrioten» im Soiliamt ausfindig machen soll. Er stösst auf die Brüder Näf: Kaspar, ein Landarzt und Johannes, Oberleutnant bei den Knonauer Truppen und Untervogt von Hausen. Kaspar und seine Frau Lisette sind «Patrioten», halten sich aber bedeckt, während Johannes die Anliegen der «Patrioten» verstehen kann, durch seine Ämter aber zur Loyalität gegenüber der Stadtrepublik Zürich verpflichtet ist. Ausserdem soll Johannes zum Freiamthauptmann gewählt werden, dem höchsten Landamt, das von einem Nicht-Städter besetzt werden kann. Und er liebt Dorothe, die Tochter des Wirtes vom «Weissen Rössli» in Mettmenstetten. So soll die Wahlfeier auch zur Verlobung werden! Der Rössli-Wirt Gugolz ist mächtig stolz auf die gute Partie seiner Tochter und lässt dafür eigens die Stuckaturen seines «Säälis» golden anmalen. Wäre da nicht der Traum von Dorothe, in dem ihr Ex-Verlobter Gregor auftaucht, der als Schweizer Gardist beim Sturm auf den französischen Königspalast sein Leben lassen musste. Als Johannes Dorothe ein Ringlein schenkt, führt das zu einer Konfusion, die das Glück der Liebenden ins Wanken bringt; plötzlich steht der verstorbene Gregor zwischen ihnen. Der enttäuschte Johannes wird empfänglich für die Avancen von Regula, der Tochter des Ratsherrn von Meiss, was das Misstrauen des Ratsherrn nach sich zieht, der ihn ohnedies als «Patrioten» verdächtigt und seinen Wahlvorschlag zum Freiamthauptmann in Frage stellt. Dennoch wird Johannes mit überwältigender Mehrheit an der Amtsversammlung zum Freiamthauptmann gewählt und auch das Glück der Liebenden kommt wieder ins Lot, da sich Dorothe von Marie, der Rössli-Serviertochter, eines Besseren belehren liess. Dies weckt die Eifersucht von Regula, die sich nun von dem frisch gewählten Freiamthauptmann ausgenutzt fühlt. Dann überstürzen sich die Ereignisse und es helfen selbst die Vermittlungsversuche von Pfarrer Brennwald nicht mehr, die sich zuspitzende Lage unter Kontrolle zu bringen. In Stäfa bricht der Aufstand gegen die zürcherische Obrigkeit wieder aus und Ratsherr von Meiss sorgt dafür, dass er von den Knonauer Truppen niedergeschlagen werden soll. Dies bringt Johannes in einen gewaltigen Gewissenskonflikt, der durch ein Sittlichkeitsverfahren wegen seinem Umgang mit Regula noch verstärkt wird. Dennoch findet die Geschichte, die vom unverbesserlichen Optimisten Jakobli mit gewitzten Einschüben kommentiert wird, durch wundersame und mutige Wendungen zu ihrem erbaulichen Happyend.
Molière’s Original neu übersetzt mit Einbezug der Götterfiguren „Juno“ und „Amor“, sowie eines Furien-Ensembles.
Premiere: 07. Juli 2022 im Besucherzentrum Sihlwald.
Wenn es die Götter zu den Menschen zieht……wird Götterspass zu Menschenfrust und Leidenschaft zu Liebeslust
In Molière’s Komödie «Amphitryon» verwandeln sich Götter in Menschen und mischen sich unter sie. Das sorgt für göttlichen Spass, führt aber auch zu grosser menschlicher Verwirrung und Verzweiflung, vor allem dann, wenn ein Gott sich als Ehemann einer frisch verheirateten Prinzessin ausgibt und ihrem echten Ehemann eine Nacht zuvorkommt. Dabei hält sich das turbine theater bei der Umsetzung des Stoffs weitgehend an Molière’s Original, erfindet aber die Götterwelt darum herum neu. Es erscheinen weniger die ehrwürdigen Gottheiten des Altertums als vielmehr Feld-, Wald- und Wiesengeister oder Ausserirdische, die im Sihlwald ihr Unwesen treiben. Mit Mathias Ott wird die traditionelle turbine theater Freilichtaufführung erstmals von einem Nachwuchsregisseur inszeniert, der den Betrieb als Schauspieler bereits gut kennt, aber mit jüngerem Blick auf das Stück schaut. Innovation ist uns dabei genauso wichtig wie die Konvention des Bewährten.
Stückinhalt
Amphitryon, ein thebanischer Feldherr, befindet sich im Krieg. Er ist frisch verheiratet mit Prinzessin Alkmene, die zuhause im Palast seine Rückkehr erwartet. Der Göttervater Jupiter ist betört von Alkmenes Schönheit und heckt zusammen mit Gott Merkur einen Plan aus, wie er sie verführen und mit ihr schlafen könnte. Seine eifersüchtige Göttergattin Juno darf selbstverständlich nichts davon erfahren. So besucht Jupiter Alkmene in Gestalt ihres Gatten Amphitryon und kommt diesem eine Nacht zuvor. Der echte Amphitryon kann nicht fassen, was er bei seiner Rückkehr erfährt. Er soll schon vorige Nacht hier gewesen sein und mit Alkmene eine Liebesnacht verbracht haben! Er verdächtigt sie umgehend des Ehebruchs und sie ihn der übelsten Verleumdung. Jupiter hingegen war so angetan von Alkmene’s Liebesgunst, dass er – wiederum als Amphitryon – um eine zweit Nacht buhlt. Das kostet ihn bei der nunmehr erbosten Alkmene viel Überredungskunst, aber es gelingt ihm. Da Gott Merkur, um Jupiter bei der Verführung behilflich zu sein, sich gleichsam in Amphitryons Diener Sosias verwandelt und diesem weismacht, er sei nicht er selbst, nimmt die Konfusion weiter zu. Merkur verleumdet auch Cleanthis, Sosias Ehefrau, was dazu führt, dass diese ihrem echten Sosias heftig die Leviten liest und damit das allgemeine Unverständnis komplettiert. Schliesslich gibt sich Jupiter als Gott zu erkennen, überlässt die Menschen ihrem Erden-Schicksal und gleitet zurück in seinen himmlischen Olymp.
Frei nach der Sage „Buhlerin auf Manegg“ im historischen Umfeld der „Zürcher Mordnacht“ aus dem Jahr 1350.
Daten: 08. Juli – 31. Juli 2021
Zum 30. Theaterjubiläum rückt das turbine theater für einmal die Stadt Zürich selbst in den Fokus des Bühnengeschehens, in die dramatische Zeit des ersten Bürgermeisters Rudolf Brun, der die Zünfte in den Rat holte, die «Brunsche Zunftverfassung» schrieb und einen Putschversuch blutig niederschlug.
Von Bürgermeister Rudolf Brun verbannte Zürcher Ratsherren haben sich um den Grafen von Rapperswil formiert, um die Stadt Zürich mit seiner Hilfe wieder unter ihre Herrschaft zu bringen. Es gibt aber auch Bestrebungen, den Konflikt friedlich zu lösen. Am Rande eines höfischen Minnereigens von Ritter Manesse wird zum Vergleich eingeladen. Schliesslich obsiegt jedoch der Wille zur alles entscheidenden «Mordnacht», dem Anschlag auf Rudolf Brun. Fides, die junge Gattin des Ritters von Manesse liebt den Knappen Heinrich und will mit ihm fliehen. Heinrich wird jedoch durch die Verhaftung seines Vaters in den Mordanschlag verwickelt, worauf Fides den Rat von Bruns Mätresse von Lunghofen befolgt, die bevorstehende Mordnacht für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. So mischt sich «Der Gesang der Sirenen », den Minnesänger Hadlaub als Friedenshymne komponierte, mit dem verführerischen «Lied der Mordnacht» der Nixen.
1336 errang Ritter Rudolf Brun mit einem Umsturz die Macht im Zürcher Rat, verbannte etliche Mitglieder aus dem Adels- und Kaufmannsstand, ernannte Zunftmeister zu Ratsmitgliedern und liess sich selber zum Bürgermeister auf Lebenszeit wählen. Er galt als stolz, unberechenbar, machtbewusst und ehrgeizig. Die verbannten Ratsmitglieder gruppierten sich um den Grafen Johannes von Habsburg-Laufenburg in Rapperswil zu Zürich’s Gegenregierung, den «Äusseren», und planten einen Putsch gegen Brun, der mit der «Mordnacht von Zürich» im Jahr 1350 zu ihren Ungunsten ausfiel.
Aus derselben Zeit stammt auch eine Sihltaler Sage: Ein schon etwas betagter Ritter Manesse auf der Burg Manegg nahm sich eine junge Frau, die wenig Vergnügen an ihrem Gatten fand. So trachtete sie mit ihrem Liebhaber Heinrich danach, den unliebsamen Gatten möglichst schnell loszuwerden. Sie überredete ihren Mann, sich der Verschwörung gegen Brun anzuschliessen. Das gab ihrem Liebhaber die Möglichkeit, den Manesse während der Mordnacht eigenhändig zu töten. Es war auch die Zeit, als der Minnegesang in adeligen Kreisen gepflegt wurde und die umfassende «Manessische Liederhandschrift» entstand, der Gottfried Keller mit seiner Novelle «Hadlaub» ein Denkmal setzte.
Aus diesen und anderen Quellen bezieht der Autor den Stoff für «Das Lied der Mordnacht», worin die Protagonisten unter dramatischen Umständen um Macht, Liebe und Freiheit ringen. Ein Volksstück der besonderen Art, eingebettet in die Schönheit der Zürcher Natur. Mit Blick über die Sihl ans andere Ufer, das als Bühne ebenso präsent sein wird wie der diesseitige, gedeckte Spielpavillon, bietet das turbine theater zusammen mit dem Wildnispark Zürich Freilichttheaterspektakel vom Feinsten! So lädt das turbine theater einmal mehr zum Erlebnistheater der besonderen Art.